Druckversion

"Die Zukunft liegt in der Förderung des Stadtkerns"

Weniger Investitionen in die Ortsteile, dafür mehr Unterstützung für den Stadtkern, ist für den Ersten Stadtrat von Osterholz-Scharmbeck, Jörg Fanelli-Francke ein Weg, um den demografischen Wandel strategisch anzugehen. Auf Einladung des Forums für Politik und Kultur berichtete er heute Abend im ASB Bahnhof über die Schritte, die Osterholz-Scharmbeck in den vergangenen Jahren gegangen ist. Das Forum suchte eine Antwort darauf, wie am Beispiel der Nordstadt mit den veränderten Bedingungen der älter gewordenen Hausbesitzer und das mögliche Verdichten durch Teilung der großen Grundstücke umgegangen werden könne. Da Osterholz-Scharmbeck ähnlich wie Barsinghausen strukturiert ist und diese Stadt eine ähnliche demografische Entwicklung durchmacht, erhofften sich die Organisatoren Jörg Vandreier und Helmut Steiner sowie die rund 45 Besucher viele Antworten.

„Eigentlich ist alles, was wir brauchen, inzwischen gebaut worden. Wir leben nur auf ganz viel Fläche“, sagte Fellini-Francke. Er hält es nicht für sinnvoll, dass in den Ortsteilen kleinere Bauvorhaben umgesetzt werden und dann für den Kernbereich kein Geld mehr vorhanden ist. „Da wird hier ein Feuerwehrhaus gebaut und dort noch an den Kindergarten angebaut, aber auch die Dörfer sind von dem demografischen Wandel betroffen und schließlich werden in den Ortsteilen neue Gebäude stehen, die von niemanden mehr genutzt werden“, erklärte er. Auch die Einzügigkeit in manchen Schulen sei falsch. „Das bringt nicht einmal für die Kinder etwas“, so Fanelli-Francke. Ebenso wenig hält der Erste Stadtrat von so genannten Insellösungen. „Wenn sich zwei Nachbarn auf eine Hinterbebauung geeinigt haben und dafür eine sechs Meter lange Straße bauen, bringt das nichts“, stellte er fest. Die Bewohner müssten direkt angesprochen und nach ihren aktuellen Bedürfnissen gefragt werden. „Dabei stellt sich oftmals heraus, dass der über 60-Jährige kein Haus mehr braucht, sondern 60 Quadratmeter völlig ausreichend sind. Dafür benötigt er jedoch eine Außenfläche, die soziale Kontakte ermöglicht“, beschrieb Fanelli-Francke beispielhaft. Über die Stadtentwicklungsgesellschaft sei es möglich, konkret Grundstücke aufzukaufen und so auf den Markt einzuwirken. Die Wohngebiete sollten offen gestaltet werden. „Kinder können nicht zwischen Zäunen und parkenden Autos spielen“, so Fanelli-Francke. Wichtig sei auch, den Charakter der Wohngebiete zu erhalten. Dafür müsse man sich auch über den Straßenraum unterhalten. „Die Frage ist auch “Wie sieht es in deinem Vorgarten aus?“, betonte Fanelli-Francke. Eine Einheitlichkeit der Hecken und Sträucher sei wichtig, ebenso die Auswahl der Pflanzen. „Bei diesen immergrünen Pflanzen weiß man ja schon nicht mehr, welche Jahreszeit gerade ist“, sagte er. Die Ratspolitiker Karl-Heinz Neddermeier (CDU), Andreas Hartig (Die Grünen) und Reinhard Dobelmann (SPD)erklärten indes, dass sich in der Nordstadt einiges tue. Sie begrüßten, dass es bereits so genannte Insellösungen gebe. Sie seien zumindest schon ein Schritt in die richtige Richtung. Jedoch sei es wichtig, den Stadtteil nördlich der Bahn weiter zu fördern. Rondo Beckmann, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft, bemängelte, dass es nur eine Zustandsbeschreibung gebe. „Ich vermisse Visionen wie man sich im Bestand weiterentwickeln kann“, erklärte er.


 


 


 


 


 

Die Wohnstruktur in Barsinghausen soll sich deutlich verändern: Anstatt dass die Verwaltung weitere Neubaugebiete ausweist,  setzt sich das Forum für Politik und Kultur für eine Verdichtung der bestehenden Siedlungen ein. Der breiten Öffentlichkeit soll das Thema anhand der Nordstadt bei einer Podiumsdiskussion am 27. November um 19.30 Uhr im ASB-Bahnhof vorgestellt werden. „Die Landflucht und der demografische Wandel werden zu immer größeren Problemen“, sagte Jörg Vandreier. Die Besitzer älterer Siedlungshäuser gerieten zunehmend unter Druck, weil sie die Gebäude und die oft riesigen Grundstücke nicht bewirtschaften können, allerdings hätten die Kinder oft kein Interesse, die Häuser zu übernehmen. „Wir brauchen eine fundierte Beratung über Sanierungsmöglichkeiten für die Hausbesitzer und mögliche Käufer“, stellte Helmut Steinert fest. Auch müsse genau überlegt werden, wie bei einem Abriss neue Zuwegungen zu möglichen Bauplätzen geschaffen werden können. „Wir müssen davon abkommen, rund um um die Kernstadt immer weitere Baugebiete auszuweisen, während im Kern Häuser verfallen“, so Vandreier.

Deshalb wurden zu der Podiumsdiskussion Jörg Fanelli, 1. Stadtrat und Baudezernent von Osterholz-Scharmbeck eingeladen. Die Stadt ist ähnlich strukturiert wie Barsinghausen und hatte mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Fanelli unterstützt die Sichtweisen von Professor Dr. Rainer Danielzik von der Akademie für Raumordnung Landesplan Hannover. Dieser hatte bereits im vergangenen Jahr eine Neuausrichtung der Wohnstruktur in Barsinghausen empfohlen.

Auf dem Podium werden weiterhin die Vertreter von SPD, Grünen und der CDU sitzen. Die CDU hat bereits vor einiger Zeit gefordert, dass die Verwaltung ein städtebauliches Entwicklungsprogramm für Siedlungsgebiete mit überwiegend älteren Einfamilienhäusern konzipieren und eine Förderung einwerben soll. In einem Antrag an die Verwaltung erläuterten die Christdemokraten, dass es in Barsinghausen und den Ortsteilen Siedlungsgebiete, die aus Einfamilienhäusern der 30er bis 60er Jahre bestehen.Dort gebe es strukturelle Probleme, weil die Bewohner zum Teil bereits älter, die Häuser nicht auf dem aktuellen Stand der Technik seien und und die Wohnflächen entspräche nicht mehr den heutigen Wünschen. Da die zwei laufenden Stadtentwicklungsprogramme Soziale Stadt und Zentrumsentwicklung sehr erfolgreich laufen, ist es Wunsch der CDU Fraktion, dass auch weitere Gebiete von einer strukturierten Entwicklung in Barsinghausen profitieren.

bri. 29.10.2014

 

 


 

Drucken
© 2011 - 2014 Agentur Hugo-Richter UG (haftungsbeschränkt) | Alle Rechte vorbehalten | AGB | Impressum

Seite empfehlen

Füllen Sie die Felder aus, und klicken Sie auf Senden, um diese Seite weiterzuempfehlen!

Code